Wir Walkenrieder

Die Zerstörung des Naturschutzgebietes Priorteich-Sachsenstein schreitet voran

(von Michael Reinboth)

Zwei Mal in den letzten Tagen wurde im Harzkurier über die Arbeiten im „Blumenberg“, also inmitten
des Naturschutzgebietes Priorteich-Sachsenstein, berichtet. Auf Drängen der Eisenbahn sollten 12
Buchen gefällt werden
, die unter Umständen einmal auf die Gleise hätten fallen können. Wer die
Ansage über den Einsatz schwerer Maschinen richtig deutete, wusste gleich, dass nach Abschluss der Arbeiten „in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde“ nichts als eine verwüstete Lanschaft zurückbleiben würde. 

Einziger Pluspunkt: Die Arbeiten wurden während des strengen Frostes durchgeführt, weswegen sich
die Fahrzeugspuren in Grenzen halten. Aber auch nur diese. In schon gewohnter Weise wurde alles
kurz und klein geschlagen und an Ort und Stelle zurückgelassen.



Der Weg zwischen Affenteich und Sachsenburg bietet, nachdem schon zuvor entlang der Bahn vieles
umgeschlagen worden ist, nun endgültig ein Bild der Verwüstung. Und dieses wird so bleiben, denn
schon die  Arbeiten der vergangenen  Jahre haben den Wald in einem katastrophalen Zustand hinterlassen. Alles, was nicht zu gebrauchen ist, alles, dessen Behandlung Geld kostet, bleibt zurück.

Vom „Schutz der Natur“ zu sprechen, ist eine glatte Verhöhnung dieser Idee. Und wir Walkenrieder müssen ganz offenbar machtlos mit ansehen, wie eines der schönsten Stücke Landschaft vor unserer Haustür, welches noch nicht von der Gipsindustrie beschlagnahmt worden ist, quasi forstamtlich von einem Wonnegarten in eine Wüste verwandelt wird. Und die untere Naturschutzbehörde hat ihren Stempel mit draufgedrückt…

Eigentlich haben Klaus Facius und ich den Weg heute begangen, um zu überlegen, inwieweit man ihn für Walkenrieder Gäste etwas attraktiver machen könnte. Wir mussten resigniert feststellen: Da ist nicht mehr viel zu retten. In düsterer Vorahnung dessen, was die Forstverwaltung hier üblicherweise hinterlässt, hatte ich meine Kamera dabei.



So sieht also nach Meinung der Forst- und der unteren Naturschutzbehörde ein ideales Natur- schutzgebiet aus. Weitere „Rückegassen“ sind bereits markiert, dem NSG im Blumenberg wird
demnächst also der Rest verpasst werden. Das Bild zeigt übrigens auch, dass sich inzwischen die
einzelnen Gruppen, die sich die Ausbeutung des Blumenbergs auf die Fahnen geschrieben haben,
gegenseitig in die Quere kommen: Ein bereits angelegter Holzstapel wird unter neuem Baumschutt
begraben. Dabei wird auch durchaus ganz bewusst die Zerstörung einmaliger Dinge wie unserer „Zwerglöcher“ in Kauf genommen. Das nachstehende Bild stammt zwar von einer vorhergehenden Aktion, es zeigt jedoch, dass ein Baum ganz klar so gefällt wurde, dass er quer auf einem Zwergloch zu liegen kam. Er ist nicht, wie man mir bei „der Forst“ weismachen wollte, „umgefallen“ – er ist umgesägt worden. Inzwischen türmen sich rund um dieses Zwergloch weitere Baumreste. 

Mit „Waldpflege“ oder anderen gern genutzten Begriffen hat dies alles nichts mehr zu tun, sondern
schlicht mit brutaler  Ausbeutung zu möglichst geringen Kosten. Der Röseberg verschwindet vor unseren Augen, das NSG Priorteich-Sachsenstein wird kleingehackt: Was muss eigentlich noch alles geschehen, damit wir Walkenrieder munter werden und dieser behördlich betriebenen Zerstörung unseres Umfeldes Einhalt gebieten?



So kann man mit „Zwerglöchern“ auch umgehen. Der quer über dem Loch liegende Baum ist nicht im Sturm umgesunken, sondern – dies beweist der glatte Sägeschnitt – abgesägt worden und dann auf das Zwergloch gesunken. Inzwischen türmen sich auch von der Rückseite her die Baumreste. Aber wie uns die  Tafel am Karstwanderweg belehrt:  Alles nicht so schlimm – in Kanada gibt’s noch welche…

Kontakt zum Autor: michael.reinboth@gmx.de